Die Deutsche Bank und wie sie die Zukunft der Arbeit sieht (spoiler: dystopisch)

(Dieser Text erschien auch auf postdramatiker.de hier)

Prognosen bleiben schwierig – insbesondere wenn die die Zukunft betreffen. Und sie erzählen zumeist mehr über die Zeit, in der sie entstehen, als über die nähere oder fernere Zukunft, über die sie zu erzählen sich vornehmen oder vorgeben. So vehement die eigene seherische Fähigkeit auch betont werden mag – die Wahrscheinlichkeit, auf empirischen Indizien begründet, ist doch vergleichsweise gering, dass diese Fähigkeit tatsächlich grundsätzlich und nachweislich diesem oder jenem Autoren zukommt, der darauf Anspruch erhebt. Das gilt natürlich in besonderem Maße für Autoren von Banken, die sich anschicken die gesellschaftliche Zukunft der nächsten Jahre vorherzusagen, dabei aber nicht einmal in der Lage sind, die Börsenkurse der nächsten Minuten (von bevorstehenden Finanzkrisen, Börsencrashs ganz zu schweigen) vorherzusagen.

Dennoch die Lektüre wert ist der Text über die Zukunftsassichten des sogenannten Arbeitsmarktes von der Deutschen Bank, genauer: Deutsche Bank Research, über den vor einigen Wochen bereits

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Uraufführungs-Kritiken zu „Schuld und Schein“

Am 4.7.2013 hatte „Schuld und Schein“ am Metropoltheater München Premiere. Ich war da und hatte großes Vergnügen an der offensichtlichen Spiellust von Regie und Darstellern. Und fand den Umgang mit dem Text sehr sehr schön. Was die Presse dazu meinte:
In der „Süddeutschen Zeitung“ (leider nicht online) schrieb Xaver von Cranach:
„… man lacht mindestens genauso viel wie man grübelt. Doch die Karikatur hat auch ein kritisches Potenzial. So wird ein Raum geschaffen, in dem tatsächlich nach den Ursachen der Probleme geforscht werden kann: Das, was von Menschen entschieden und hergestellt worden ist, wird oft als gegebene und unveränderliche Tatsache präsentiert. (…) Es ist ein Theaterabend, der den Zuschauer zunächst zum Frosch degradiert, um ihn dann als eigenständiges Subjekt wieder aufzurichten.“

Auf theaterkritiken.com schließt C.M. Meier seine begeisterte Kritik mit der Überschrift „Super! wahnsinn!“:
„Super! Wahnsinn! Megawichtig! Das muss man gesehen haben! (Vor allem wenn man regelmäßig ein Geldinstitut kontaktiert.)“
Hier die ganze Kritik.

Im Kultur Extra schreibt Hakan Karakaya:

„Ein aus vielerlei Hinsicht völlig außergewöhnliches Theaterstück….Mit sehr minimalistischen Mitteln gelingt es Jochen Schölch ein vermeintlich sehr trockenes und BWL-lastiges Thema zu einem didaktisch wertvoll gestalteten und amüsanten Sachtheater nebst Kabarett zu gestalten, bei dem nicht nur verdeutlicht wird, wie der Otto-Normal-Bürger von Bank und Staat ausgenommen wird, sondern wie sich gleichzeitig das wundersame Phänomen des Wirtschaftskreislaufs, inklusive der genialen menschlichen Erfindung der Inflation, entwickelt – und das alles im Stile der „Sendung mit der Maus“ inklusive einleitender Titelmelodie. Klingt komisch, ist aber so.“

Hier die ganze Kritik

Auf nachtkritik.de schließt Sabine Leucht:

„Ulf Schmidt dagegen ist hoch anzurechnen, dass er sich an die Erklärung eines Phänomens wagt, vor dem man allzu oft kopfschüttelnd bis wutschnaubend kapituliert. Auf dem Weg hinaus aufs Glatteis der Abstraktion nimmt er einen freundlich bei der Hand und es bleibt zumindest hängen, dass das raunende Geldgewerbe keine Geheimwissenschaft ist, sondern ein System mit nacherzählbarer Historie und klaren Interessen. Auch jenem, dies nicht zu erkennen zu geben.“

Hier die ganze Kritik.

Matthias Hejny schließt in der Abendzeitung:

„Trotz der Schlichtheit wird die Komplexität der Ökonomie nie geleugnet – oder entspannt analysiert, wie die Undurchschaubarkeit der Finanzmärkte als fauler Zauber funktioniert.“

Hier die ganze Kritik.

Zurecht begeistert von der Inszenierung ist Anne Fritsch in der „Deutschen Bühne“.

„Regisseur Jochen Schölch peppt den eher spröden Text auf, spielt mit dessen oberlehrerhaftem Ton: Zu Beginn spielt er die Sendung-mit-der-Maus-Melodie ein, begegnet dem Ernst der Stunde mit Witz und kleinem feinen Theaterzauber.“

Hier die ganze Kritik.

Und der Blogger Martin Oetting zeigte sich auf seinem Blog begeistert:

„“Schuld und Schein – ein Geldstück” heißt es, und es leistet, was eigentlich undenkbar erscheint: die globale Finanzwelt auf erstaunlich unterhaltsame Weise so zu erläutern, dass man einerseits versteht, dass wir alle die Leidtragenden einer jahrhundertealten Verschwörung sind. Und dass man andererseits dabei einen extrem unterhaltsamen Abend erlebt.“

Hier die ganze Kritik.

 

Finanzwissenschaft – Firlefanzwissenschaft. Rechnen Sie mit dem schlimmsten. Oder auch nicht. (re-post von postdramatiker.de)

In der Süddeutschen Zeitung findet sich heute hier ein knapper Artikel, bei dessen Lektüre mir der Unterkiefer auf den Boden gefallen wäre, hätte die Tischplatte ihn nicht unsanft gebremst. Seit einer Studie des Harvard-Ökonomen, Schach-Großmeisters und ehemaligen Chefökonomen des Internationalen Währungsfonds Kenneth Rogoff und der Harvard-Professorin Carmen Reinhart galt in der Volkswirtshaft der Grundsatz: Verschuldet sich ein Staat mit mehr als 90% seiner jährlichen Wirtschaftsleistung, geht es abwärts (hier ist die Studie downloadbar). Darauf geht der Glaubenssatz zurück, der gerade in den südeuropäischen Ländern wie Griechenland genau zu jener Sparpolitik führt, die diese Länder in eine Abwärtsspirale stürzt. Die sogenannten Märkte, im Vertrauen auf diese Studie, erhöhen die Zinsen für Länder mit dieser Schuldenquote (aus Glaubensgründen), steigende Zinsen belasten den Haushalt, zudem wird der Staat zu den bekannten Sparmaßnahmen getrieben, die eine ohnehin in der Krise befindliche Wirtschaft noch weiter in den Abgrund treiben. Die Folgen für die Bürger sind hinlänglich bekannt.

Jetzt erschien eine andere Studie (hier downloadbar), die nicht etwa einfach die 90%-Regel problematisierte, sondern gar behauptete, diese Regel sei aufgrund fehlerhafter Berechnungen, ja des mangelhaften Umgangs mit Excel zu verdanken. Es würden aus unerklärlichen Gründen bestimmte Daten ausgeblendet, unterschiedliche Betrachtungszeiträume miteinander verglichen. Das Ergebnis der neuen Studie: Über 90% Verschuldung sinkt das Wachstum nicht etwa um 0,1% pro Jahr (wie Rogoff/Reinhart statuierten), nein es steigt um 2,2%. Darauf haben Rogoff/Reinhart inzwischen hier in einem eigenen Tex

Zusammengefasst: Der notwendige Paradigmenwechsel im Finanzsystem

Als eine Art Abschluss und Forderungsfazit aus den letzten Monaten und der Arbeit an „Schuld und Schein“ hier nun eine (vorläufige?) Zusammenfassung dessen, was sich meines Erachtens als Folge der sogenannten Finanzkrise und der zunehmenden Digitalisierung des Geldverkehrs sagen lässt und ändern muss.

Die Finanzmärkte sind die eigentliche Piratenpartei #MediaDivina (re-post von postdramatiker.de)

Im Posting zur Funktion des Wetterberichts für das Fernsehen hatte ich damit geschlossen, dass das Börsengeschehen inzwischen funktional die Position des Wetterberichts übernimmt. Denkt man das konsequent weiter, zeigt sich noch etwas anderes Interessantes.

Währen die Piraten noch darüber diskutieren, wie Partizipation am besten organisiert werden, wie Menschen eingebunden werden können und wie aus den heterogenen Meinungen der Vielen einfache Resultate, die als Handlungsgrundlage dienen, destilliert werden können, während also die Piraten noch reden und dabei darüber reden, wie man am besten miteinander redet – handeln die Finanzmärkte. Partizipativ. Mit unglaublich (zerstörerischer) politischer Macht, die sich aktuell gar konkretisiert in der Ablehnung der Demokratie auf einem

„Schuld und Schein“ Uraufführung im Mai/Juni (Update: Juli) in München

Jetzt ist es offiziell: Die Uraufführung von Schuld und Schein findet in München statt, im Mai oder Juni (Update: Vermutlich am 5. Juli 2013). Und das Theater, das die ebay-Auktion für sich entschieden hat und die Uraufführung machen wird, ist das Metropol Theater.

Das freut mich ungemein – nicht nur, dass die Uraufführung tatsächlich noch in dieser Spielzeit stattfinden wird. Sondern vor allem auch, dass sie am Metropol stattfinden wird. Das Metropol gehört zu den spannendsten Bühnen Süddeutschlands – und wurde dafür neben vielen enthusoastischen Kritiken und Preisnominierungen unter anderem mit dem bayrischen Theaterpreis ausgezeichnet.

In der Pressemeldung des Theaters, die heute rausgeht, heißt es:

Das Metropoltheater München

hat die Uraufführung

 von Ulf Schmidts

ultimativem Stück zur Geschichte des Geldes

 SCHULD UND SCHEIN

 auf e-bay ersteigert

Ist das Finanzsystem im Lauf der Menschheitsgeschichte tatsächlich gänzlich undurchschaubar geworden?

Fachleute, Politiker und Banker bedeuten uns in immer wieder neuen unverständlichen Worten, dass wir uns gar nicht erst den Mühen des Verstehens unterziehen sollten, denn unser Scheitern sei schließlich vorprogrammiert.

Der Dramatiker Ulf Schmidt macht nun einen gewaltigen Strich durch diese Rechnung:

In kurzen äußerst anschaulichen Szenen gelingt es, uns Sparern und Anlegern die systematische Verschleierung der Finanzjongleure von Beginn an bis zur heutigen Krise zu erklären. Mit Sachverstand und Witz führt er uns durch das Dickicht des Finanzsystems und erweckt uns der Ohnmacht der Unwissenden.

Das Metropoltheater München plant die Premiere für Mai/ Juni 2013.

Die Regie wird voraussichtlich Jochen Schölch übernehmen.

 

 

Die Selbstdemontage der Wirtschaftswissenschaft

Was wohl würde mit einer Ingenieurswissenschaft geschehen, deren fortschrittlichste Gebäude nach etwa 50 Jahren angeblich ohne Vorwarnung in sich zusammenfallen und die Bewohner unter sich begraben? Und was geschieht mit Wirtschaftswissenschaftlern, deren Gebäude unter Inkaufnahme zahlloser Opfer in sich zusammenbrechen? Sie bekommen Nobelpreise. Nicht die Ingenieure. Italien beweist gerade, dass man Wissenschaftler auch in Haftung nehmen kann (spon).

Das gegenwärtige Wirtschaftssystem ist kein Natursystem, das unter den melancholischen Augen wirtschaftswissenschaftlicher Naturforscher vor sich hin blüht, wächst und gedeiht. Es ist ein Gebäude, das aus den Theorien der Wirtschaftswissenschaft errichtet, von den Kreaturen, die sie studiert haben, erbaut und betrieben wird. Wenn diese Krise nur eines zur Fiolge haben sollte, dann die Vorladung der Wirtschaftswissenschaft vor die Tribunale der Öffentlichkeit. Haben sie sich nicht alle lustig gemacht darüber, wie durch ökonomische Blindheit der Theoretiker die DDR und andere Staaten des Ostblocks zusammenbrachen? Und lachen sie jetzt noch, wo ihr eigenes System bröckelt. Und zwar an Stellen, von denen abzulesen ist, dass es mit dem Bröckeln nicht getan sein wird, sondern dass es die tragenden Strukturen sind, die gerade nachgeben.

Warum?

Weil die Ökonomie in ihrem naiven Bestreben, eine seriöse, ernst zu nehmende und positive Wissenschaft zu werden, sich

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Keynes über die Girofalle

Über die Girofalle und die damit verbundene Instabilität hat interessanterweise bereits 1930 John Maynard Keynes in „Vom Gelde „ geschrieben. Ich zitiere das mal in ganzer Länge:

Wenn wir von einem geschlossenen Banksystem ausgehen, das keine Beziehungen zum Ausland unterhält [und das Digitalgeldsystem kennt ja kein „Ausland“ mehr; U.S.] und in einem Land betrieben wird, in dem alle Zahlungen mittels Schecks beglichen werden und Bargeld unbekannt ist, und wenn wir weiter annehmen, dass die Banken es unter diesen Umständen für unnötig halten, Barreserven zu halten, vielmehr jede zwischenbankliche Verschuldung durch Übertragung anderer Aktivposten regeln, so ist es klar, dass der Betrag an Bankgeld, den die Banken bei Beachtung solider Bankgrundsätze schaffen können, unbegrenzt ist, vorausgesetzt, dass sie sich im Gleichschritt vorwärts bewegen. Die gesperrt gedruckten Worte enthalten den Schlüssel für das Funktionieren des Systems. Es wird geschwächt durch jede Vorwärtsbewegung einer individuellen Bank, hingegen gestärkt durch jede gleichwertige Bewegung einer Nachbarbank, so daß, wenn alle zusammen sich vorwärts bewegen, per Saldo niemand geschwächt wird. Das Geschäftsgebaren jeder einzelnen Bank, wenngleich sie es sich nicht leisten kann, den anderen mehr als einen Schritt voraus zu sein, wird also bestimmt durch das durchschnittliche Vorgehen aller Banken zusammen; […] Jeder Bankleiter, der in seinem Arbeitszimmer sitzt, darf sich als das passive Werkzeug äußerer Gewalten ansehen, über die ihm jede Kontrolle fehlt; dennoch mögen diese ‚äußeren Gewalten‘ niemand anders sein, als er und seine Kollegen; jedenfalls sind es nicht die Depositenkunden seiner Bank.

Einem Währungssystem dieser Art würde eine Unstabilität innewohnen. Denn alle Bestrebungen,

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Auktionsstart für Uraufführungsversteigerung „Schuld und Schein“ am 11.11.2012

Es ist nicht nur der Beginn der närrischen Jahreszeit: Am Sonntag, dem 11.11.2012, beginnt auf ebay die Versteigerung des neuen Textes „Schuld und Schein. Ein Geldstück“. Ich konnte den Verlag der Autoren überzeugen, sich an diesem neuen Weg zu beteiligen, einen Text zu Theatern und in die Öffentlichkeit zu bringen.
Online gestellt werden soll die Auktion im Verlauf des Theatercamps Hamburg.

Hier im Blog wird es in den nächsten Tagen einige Postings zum Thema Geld, Wirtschaft undBanken geben. Ich bin gespannt, wie das Experiment läuft.