Radio-Feature „Über das Geld und was wir dafür halten“

Florian Felix Weyh hat ein sehr schönes und spannendes Radio-Feature für DeutschlandRadio-Kultur produziert mit dem Titel „Immer knapp – oder wertlos. Über das Geld und was wir dafür halten„, zu dem ich neben dem Volkswirtschaftler Jörg Guido Hülsmann, dem Soziologen Rainer Paris, und dem Finanzjournalisten und Publizisten Lucas Zeise interviewt wurde. Sehr hörenswert, da inhaltlich auf der Höhe des Themas und formal sehr originell gemacht.

Hier der Link zum Audio-Beitrag und dem Manuskript-PDF.

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Lesetipp: Warren Moslers „The 7 Deadly Innocent Frauds of Economic Policy“ als kostenloses PDF

Ich habe gerade erst angefangen, hinein zu lesen. Warren Mosler, die hier bloggt und für die Huffington Post schreibt, hat sein Buch „The 7 Deadly Innocent Frauds of Economic Policy“ als kostenlosen PDF Dowload (link siehe unten)  ins Netz gestellt. Die sieben Todsünden und seine Gegenthesen lauten:

Deadly Innocent Fraud #1:
The federal government must raise funds through taxation or borrowing in order to spend. In other words, government spending is limited by its ability to tax or borrow.
Fact:
Federal government spending is in no case operationally constrained by revenues, meaning that there is no “solvency risk.” In other words, the federal government can always make any and all payments in its own currency, no matter how large the deficit is, or how few taxes it collects.

Deadly Innocent Fraud #2:
With government deficits, we are leaving our debt burden to our children.
Fact:
Collectively, in real terms, there is no such burden possible. Debt or no debt, our children get to consume whatever they can produce.

Deadly Innocent Fraud #3:
Federal Government budget deficits take away savings.
Fact:

 

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Federal Government budget deficits ADD to savings.

Deadly Innocent Fraud #4:
Social Security is broken.
Fact:
Federal Government Checks Don’t Bounce.

Deadly Innocent Fraud #5:
The trade deficit is an unsustainable imbalance that takes away jobs and output.
Facts:
Imports are real benefits and exports are real costs. Trade deficits directly improve our standard of living. Jobs are lost because taxes are too high for a given level of government spending, not because of imports.

Deadly Innocent Fraud #6:
We need savings to provide the funds for investment.
Fact:
Investment adds to savings.

Deadly Innocent Fraud #7:
It’s a bad thing that higher deficits today mean higher taxes tomorrow.
Fact:
I agree – the innocent fraud is that it’s a bad thing, when in fact it’s a good thing!!!

Was mir daran nach den ersten „Frauds“ bereits spannend erscheint, ist, dass dieser theoretische Ansatz („Theorie“ einmal nicht im allzu strengen, deutschen Sinne genommen) bereits in seinen Grundlagden das digitalökonomische FIAT-Money enthält. Er schlussfolgert aus der These, dass Geld eben nichts „Reales“ (mehr) ist, sondern lediglich das Ergebnis von Zahlenveränderungen in digitalen Systemen, dass staatliche Ausgaben und Einnahmen keine „realen“ rückzahlbaren Verpflichtungen (wie bei der schwäbischen Hausfrau) darstellen, sondern schlichte Buchungsprozese sind. Mosler schreibt:

“How are we going to pay for it?” And the answer is: the same way government pays for anything, it changes the numbers in our bank accounts. The federal government isn’t going to “run out of money,” as our President has mistakenly repeated. There is no such thing. Nor is it dependent on “getting” dollars from China or anywhere else. All it takes for the government to spend is for it to change the numbers up in bank accounts at its own bank, the Federal Reserve Bank. There is no numerical limit to how much money our government can spend, whenever it wants to spend.“ (16f. im PDF)

Tut man das in dieser Radikalität, kann man kaum anders als zu dem Ergebnis zu kommen, dass Staatsschulden die Bedingungen für aktuellen und zukünftigen Wohlstand sind, dass die Furcht vor der Rückzahlung lachhaft ist – und dass diese gesamte Austeritäts-Paranoia nichts anderes ist als ein Wahnsinn.

Den Text kann man hier direkt herunterladen.

 

Hält die Modern Monetary Theory bei den Wirtschaftsweisen Einzug?

Eine ganz interessante Koinzidenz: Während ich mich gerade mit der sehr inspirierenden, aber in der orthodoxen Wirtzschaftswisenschaft vehement abgelehnten Modern Monetary Theory beschäftige (auf Wikipedia direkt im Artikel „Chartalism“ eingebunden), nämich mit L. Randall Wrays Buch gleichen Namens, lese ich auf Spon eine Interview mit dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger, der eine der zentralen Annahmen der MMT zu bestätigen scheint.

Die zentrale These der MMT: Vermögen und Schulden sind ein Nullsummenspiel zwischen dem Privatsektor (Haushalte, Unternehmen, Banken), dem Staat und dem Ausland. Die Schulden des einen sind das Vermögen des anderen. Das heißt: Es kann im Privatsektor kein Vermögen geben, wenn der Staat sich nicht verschuldet.  Die Schulden des Staates sind das Vermögen des privaten Sektors – sehr vereinfacht, da das Ausland in dieser Beziehung ausgeblendet bleibt. In Deutschland wurde diese These sehr prominent und wortmächtig von Thomas Strobel in „Ohne Schulden läuft nichts“ dargestellt. Wray bringt es auf die einfache Formel:

Domestic Private Balance + Domestic Government Balance + Foreign Balance = 0

Das läuft natürlich allem zuwieder, was rund um die „schwäbische Hausfrau“, den aktuellsten Mythos der Finanzpolitik, zu hören und zu lesen ist. Die Staatsschulden, so dieser Mythos, müssen reduziert und abgezahlt werden. Was natürlich schon historisch sehr zweifelhaft ist, da Staatsschulden nur in verschwindet geringer Fallzahl in der Vergangenheit tatsächlich „zurückgezahlt“ wurden. Hier ist tatsächlich ein fundamentaler Unterschied zu sehen zwischen dem Privatsektor (Haushalte, Firmen, Banken)

 

 

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Schulden und der Mythos der Überschuldung

Der Glaube, dass (Staats)schulden zurückgezahlt werden können oder müssen, ist irre. Er ist das Relikt vergangener Zeiten, da Geld – wie Kurt Singer sagen würde – noch „hylomorph“ war. Das heißt, als Geld aus etwas bestand, dass tatsächlich einen tendenziell warenartigen Zustand und eine physische Erscheinung hatte. Es geht um Metallgeld wie etwa geprägte Gold-, Silber-, Kupfer usw. Münzen. Leiht man so ein Geldstück jemandem andern, fehlt es dem Verleihenden. Die betreffende physische Einheit des Geldstückes ist erst hier, dann da und muss am Ende wieder hier sein, andernfalls verliert der Gläubiger etwas. (Lassen wir dabei den materiellen Eigenwert, also den Kaufwert, den eine bestimmte Menge der Materie Gold oder Silber etwa auf Rohstoffmärkten, im Verhältnis zu seinem Geldwert, der nicht gleich dem Materialwert sein muss, außen vor).

Diesen Glauben kann man sich so lange weiter zu pflegen leisten, wie Papiergeld, als die moderne Erscheinungsform des Wertes, noch garantiert in ein Metall umgewandelt werden konnte, bzw. der Staat oder die Staatsbank sich verpflichteten, gegen Einlieferung einer Banknote eine bestimmte Menge Goldes herauszugeben. Auch wenn die Menge des Papiergeldes zumeist recht bald höher war, als die Golddeckung eigentlich rechtfertigte, die Einlösbarkeit als zweifelhaft wurde, kann dennoch die Annahme, der Gläubiger verliere etwas (nämlich die Möglichkeit zum Erhalt des besagten Goldbetrages), noch mit einiger Überzeugung Aufrecht erhalten werden.

Das aber endet allerspätestens dann, wenn die Konvertierbarkeit in ein physisch-warenförmiges Gut aufgehoben ist, wie es

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Das Girokonto – Die schleichende Enteignung der Bevölkerung

Das Girokonto ist inzwischen eine derartige Selbstverständlichkeit geworden, dass niemand mehr ernsthaft darüber nachdenkt, was da eigentlich geschieht. Das gesamte Vermögen der Haushalte lagert jetzt nicht nur auf Banken, anstatt wie früher vielleicht unter Kopfkissen, in Sparschweinen oder in Strümpfen (Keynes schätze 1930, dass etwa 8% der Einkommensbeträge der Bevölkerung auf Bankkonten und Sparbüchern liegen). Sondern zudem sorgen Gehaltskonten dafür, dass ein stetiger Mittelzufluss an die Banken entsteht. Denn abgehoben wird es leidglich, um ausgegeben zu werden. Alles andere ist bargeldlos, ein Verschiebebahnhof von Konto zu Konto, der vielleicht von Bank zu Bank stattfindet, aber immer weniger dabei die Banken verlässt und sich etwa in Papiergeld „realisiert“. Dabei ist natürlich, verfolgt man die Jahrhunderte lange Debatte über Wert und Geltung von Papiergeld, selbst dieses schon, da ja nicht mehr durch irgendeinen anderen Wert (wie einstmals Gold, Silber oder die Erträge der Landwirtschaft oder Bodenschätze) „gedeckt“.  Das Papiergeld selbst, das zeigt die Geschichte, ist eine nicht risikofreie Form der Wertspeicherung und –zirkulation. Aber es ist immerhin noch anfassbar und physisch und so entsteht ein Glauben, dass es sich bei Papiergeld doch immerhin um etwas Reales handele, das also in Krisenzeiten Sicherheit dadurch erreicht werden könnte, dass man Scheingeld in der Hand hält. Ein Spaß.

Was dieser Finanzfluss genau besagt, lässt sich errechnen. Laut Statista beträgt das monatliche Netto-Durchschnittseinkommen von Arbeitnehmern in Deutschland 2.706 € (Quelle). Es gab etwa 41,21 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland. Das heißt das monatliche Nettoeinkommen aller Arbeitnehmer in Deutschland zusammen, das den Banken direkt überwiesen wird,  betrug 112 Milliarden Euro. Monatlich. Oder 1,338 Billionen jährlich. Die einfach so den Banken zufließen. Dazu kommen noch die

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Zum Stück: Gold gegen Papier – Warum der Text beginnt wie er beginnt

Dass das Stück so beginnt, wie es beginnt, ist kein Zufall. Es beginnt eben nicht mit der mythischen Erzählung, die sich bis heute in den meisten Erwägungen zum Geld in den ökonomischen Lehren findet: Das Geld sei eingeführt und erfunden worden, um den Warentausch zu vereinfachen, zu ermöglichen und zeitlich asymmetrisch zu gestalten. Um also etwa heute ein Schwein zu bekommen und übermorgen dafür eine Wurzelbürste zu geben, sei es nötig

  1. Schwein und Wurzelbürste vergleichen zu können
  2. Die Wertunterschiede beider ausgleichen zu können
  3. Den Bedarfsunterschied (ich will zwar das Schwein, der Schweinezüchter aber keine Wurzelbürste) auszugleichen oder zu umgehen
  4. Eine Wertaufbewahrung zu finden, die unterschiedliche Bedarfszeitpunkte überbrückt
  5. Und außerdem etwas, das die Möglichkeit hat, Wert aufzuspeichern

Von einigen Außenseitern ist dieser Mythos bereits seit längerem angegriffen worden. Und zwar zurecht. Aus zwei Gründen:

Die historische Forschung hat keine Belege darauf gefunden, dass es Tauschwirtschaften gab bevor es Geld gab (dazu Graeber, Schulden, Kap 2). Man hat nicht „ökonomisch“ getauscht. Und das lässt sich sogar theoretisch begründen, wie sich bei Kurt Singer lesen lässt. Er führte 1920 in „Das Geld als Zeichen“ aus, dass Geld nicht in einer Tauschwirtschaft erfunden werden kann, da es sich selbst voraussetzen muss, um erfunden werden zu können. Das heißt: Um Wurzelbürste und Schwein gegeneinander

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