Diesmal wirklich: Uraufführung „Schuld und Schein“ erfolgreich auf ebay versteigert!

Eben ging die Versteigerung der Uraufführungsrechte von „Schuld und Schein. Ein Geldstück“ auf ebay zuende – und diesmal hat wirklich ein professionelles Theater den Zuschlag erhalten. Welches Theater? Das wird aus Gründen meines Aberglaubens erst veröffentlicht, wenn alles unter Dach und Fach ist. Verträge gemacht und was sonst noch so zu tun ist.

Am Ende lag das erfolgreiche Gebot bei 51,55 €. Das ist ziemlich erfreulich! Für Uraufführungsrechte wird normnalerweise überhaupt nichts bezahlt. Es ging auch nicht darum, mit dieser Versteigerung bemerkenswerte Einnahmen zu erzielen (sonst hätte ich nicht mit einem Euro angefangen). Sinn der Veranstaltung war das Experiment, zu schauen, ob und wie auf diesem Wege ein Text zu Theatern findet. Und das hat funktioniert.

Zweite Runde der ebay-Auktion „Schuld und Schein“ gestartet.

Wie hier auf der Seite und in den Interviews mit dem Bayrischen Rundfunk (hier) und dem RBB (hier) dargestellt, wurde die erste Runde der Versteigerung der Uraufführungsrechte für „Schuld und Schein“ von einer Privatperson gewonnen, die über kein Theater verfügt. Damit macht die Ersteigerung keinen Sinn, der Zweitbietende meldete sich auf ebay nicht, weitere Bieter können auf ebay nicht kontaktiert werden. Also geht die Sache in die zweite Runde!

Mit einer nicht unwichtigen Korrektur: Da der bisherige Zeitraum für die Uraufführung bis zum 30.04.2013 doch wohl etwas zu tollkühn war, wird er nunmehr verlängert auf den 31.10.2013. Das heißt: Das meistbietende Theater ersteigert die Uraufführungsrechte bis zu diesem Zeitpunkt. Es bleibt also ein knappes Jahr für Planung und Vorbereitung. Und das meistbietende Theater hat die schöne Chance, im Zeitraum der nächsten Bundestagswahl das Thema Finanzkrise zugespitzt auf die Bühne zu bringen.

Startpreis der zweiten Auktionsrunde ist der letzte Stand der ersten Runde: 10,51 €.

Hier gehts direkt zu ebay.

Uraufführung „Schuld und Schein“ erfolgreich versteigert! {Updated)

Update 21.11. 14 Uhr: Man glaubt es kaum, aber manche Menschen sind des Lesens nicht mächtig. Der Meistbietende war von keinem Theater, hatte auch kein interessiertes Theater hinter sich. Wie bei ebay üblich geht das Angebot jetzt an unterlegene Bieter. Der folgende Artikel ist insofern zumindest etwas verfrüht …

Seit dem 11.11.2012 lief auf ebay die Versteigerung der Uraufführungsrechte für meinen neuen Text „Schuld und Schein. Ein Geldstück“. Eben ging sie zu ende – und hatte Erfolg. Die Uraufführung wird in dieser Spielzeit stattfinden. Und genau das ist die fantastische Nachricht und die Überraschung.

 

Es gab zuvor nicht wenige, die die ganze Sache für aussichtslos erklärt hatten. Professionelle Theater haben üblicherweise Planungsvorläufe, die eine so kurzfristige Aufnahme eines neuen Textes ausschließen. Ein übliches Zeitfenster für einen Text, der grundsätzlch auf Interesse trifft, wären etwa ein bis zwei Jahr gewesen. Die aktuelle Spielzeit, die bis zum Sommer 2013 dauert, ist durchgeplant. Für die folgende Spielzeit dürften ebenfalls Planungen schon so weit im Gange sein, dass eine Uraufführung zu Spielzeitbeginn nicht unbedingt hoch wahrscheinlich wäre. Das war das Risiko an der Versteigerung: stell dir vor, es gibt eine Auktion – und keiner bietet mit.

 

Aber das war noch nicht alles. Das Stück selbst war auf der eigens dafür erstellten Webseite schuldundschein.de im Volltext zu finden und als PDF downloadbar. Auch das ist nicht üblich. Normalerweise hüten Verlage die Texte, verschicken sie auf Anforderung von interessierten Theatern, die ihn dann in Ruhe lesen, bewerten und über eine Annahme entscheiden. Das wiederum hätte ebenfalls zu Zeitverzögerungen geführt, denn Stückankündigungen werden nicht selten in Druckversion verschickt, die in der Produktion eines weiteren Vorlaufs bedurft hätten. Was den Vorlauf wiederum weiter ausgedehnt hätte.

 

Dass nun dieser Vorlauf durch Einsatz der Webseite und die Downloadfunktion auf rasante 10 Tage verkürzt werden konnte, ist eine weitere Überraschung. Denn innerhalb dieser 10 Tage musste einiges Geschehen: Theater mussten aufmerksam werden. Sie mussten den Text lesen, was zumeist heißt, dass nicht nur ein Dramaturg, sondern sicherlich mehrere sich die Zeit nehmen, einen Blick in den Text zu werfen. Sie mussten sich darüber verständigen, ob sie das Thema relevant und die Qualität des Textes für akzeptabel halten. Sie mussten klären, in welcher Form sich ein Theater überhaupt auf eBay engagieren kann. Und sie mussten mitbieten. Mindestens zwei der drei Bieter sind tatsächlich Theater. Das habe ich erfahren, ohne jetzt sagen zu wollen, welche es waren.

 

Aber auch das ist noch nicht die ganze Geschichte. Laut Serverstatistiken wurde das Text-PDF knapp 200 mal heruntergeladen. In Deutschland gibt es laut Statistik des Deutschen Bühnenvereins 145 Theater in öffentlicher Trägerschaft, weitere 280 Privattheater, also insgesamt 425. Gehen wir nun davon aus, dass nicht jeder, der den Text heruntergeladen hat, an einem Theater arbeitet, sondern sich auch andere Leser dafür interessierten, so dürfte doch eine Ration von etwa der Hälfte (rein spekulativ) zu Theaterleuten zu rechnen sein. Das heißt: Ein Viertel der deutschen Theater insgesamt hat sich den Text angesehen. Und das wiederum ist ein ziemlich schöner Erfolg für den Text. Denn üblicherweise ist die Leserschaft für neue Texte eher im niedrigen zweistelligen Bereich anzusiedeln. Dazu gehe ich davon aus, dass Theater, die sich den Text heruntergeladen haben und ihn ansatzweise interessant fanden, das PDF intern zirkulierten, sodass die reale Leserschaft etwas höher ausfallen dürfte.

 

Zudem hat die Webseite – abhängig von der Datenquelle – zwischen 1.000 und 2.000 Visits in den letzten Tagen gehabt. Auch das ist ungewöhnlich für einen neuen Theatertext. Und die Webseitenbesucher haben offenbar durchaus Interesse an den weiteren Inhalten der Seite gehabt, denn die durchschnittliche Verweildauer auf der Seite betrug über 4 Minuten.

 

Nun könnte man die Augenbrauen schürzen angesichts des Auktionsergebnisses von „nur“ 10,51 Euro. Ich tue das nicht. Denn dieser Betrag ist irrelevant. Wer auf eBay selbst einmal eine Versteigerung laufen hatte, weiß, dass die Vervielfachung des Mindestgebots äußerst unwahrscheinlich ist. Insofern ist die Verzehnfachung von einem Euro auf zehn bereits durchaus als erfreulich zu werten. Wäre ein höherer Preis das Ziel gewesen, wäre die Auktion nicht mit einem Euro gestartet, sondern mit einem höheren Betrag. Aber dann wäre das Angebot für Theater weniger attraktiv gewesen: Der Deal war ja, dass Theater, die sich die Mühe dieser immensen Planungsbeschleunigung machen, dafür den Vorteil haben, die Tantieme der Uraufführungs-Premiere zum Auktionspreis zu erhalten. Und ob der nun einen, zehn, oder hundert Euro beträgt, ist von geringerer Bedeutung als die Tatsache, dass Theater mitgemacht haben und die Uraufführung tatsächlich zustande kommt. Und immerhin 440 Seitenaufrufe hatte die Auktion auf ebay!

 

Mein Fazit: Ich bin ausgesprochen erfreut über die Aktion und ihren Ausgang. Vielleicht setzt damit auch eine kleine Diskussion über die Produktionsformen von Theater oder zumindest die Flexibilität in der Reaktion auf aktuelle Themen ein. Das wäre wünschenswert und notwendig. Ich freue mich, dass die Uraufführung überhaupt stattfindet, dass sie so bald stattfindet – und dass sie an einem tollen Theater stattfindet. Welches Theater das ist, werde ich erst verkünden, wenn die Verträge unter Dach und Fach sind. Aberglaube.

 

 

 

 

 

 

 

Claus Peymann, die Eurokrise – und Schuld und Schein?

Leider erst jetzt lese ich ein Interview mit Claus Peymann, Chef des Berliner BE, in der Rheinischen Post, in der unter anderem zu lesen ist:

Muss das Theater auch aktueller werden? Oder wäre es verfehlt zu fordern, dass nun auch die Euro-Krise auf die Bühne muss?

Peymann Unbedingt muss sie das. Unbedingt. Ich komme mir manchmal vor wie in der Wüste. Ich sehe, wie überall der Sandsturm tobt, und wir selber haben darauf nichts zu antworten. Wir spielen dann aus lauter Verzweiflung „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ aus den 1920er Jahren, weil das das einzige Stück ist, das uns geeignet erscheint, um sich mit Monopol-Fragen auseinanderzusetzen. (Quelle: Interview mit dem berühmten Regisseur: Peymann sieht seine Arbeit als gescheitert an (RP ONLINE, 16.11.2012))

Da stellt sich mir die Frage: Herr Peymann – haben Sie „Schuld und Schein“ mal angeschaut? Und haben Sie mitgeboten? Sie haben jetzt noch genau 36 Minuten dazu Zeit. Und mit 11.01 Euro sind Sie dabei! Mensch Peymann, eBay, Mann. Das BE wär nicht der schlechteste Ort für den Text. Hier gehts zur Auktion. Schnell.