Abschaffung des Bargelds II: Entmachtung des Bürgers

Im ersten Teil des Beitrags war geschildert worden, wie die bevorstehende Abschaffung des Bargelds die Bürger auf Gedeih und Verderb den Geschäftsbanken ausliefert. In diesem Teil soll nun gezeigt werden, dass die aktuell diskutierte Vorratsdatenspeicherung ein Witz gegen das ist, was mit der Bargeldabschaffung bevorsteht. Hellhörig dürfte dabei machen, dass „Experten“, die die Bargeldabschaffung fordern, insbesondere damit argumentieren, dass damit Kriminelle (insbes. Drogenhändler) und Steuerhinterzieher getroffen werden. (z.B. hier).

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Abschaffung des Bargelds I: Enteignung des Bürgers

Seit einigen Wochen mehren sich Stimmen, die die endgültige Abschaffung des Bargelds fordern (Peter Bofinger), ernsthaft erwägen oder mit unterschiedlichen Argumenten ablehnen (Roland Tichy, Heiner Flassbeck). Zugleich findet sich eine vergleichsweise breite politische Öffentlichkeit, die die sogenannte Vorratsdatenspeicherung kritisiert oder aktivistisch bekämpft – ohne offenbar zu ahnen, dass sich hinter der Bargeld-Debatte eine Art der Vorratsdatenspeicherung und Ermächtigung des Staates (und der Banken) verbirgt, als sie sich in ihren ärgsten Albträumen ausmalen könnten. Warum das so ist – das soll dieser zweiteilige Artikel ausführen. Im ersten Teil wird die Verschiebung beschrieben, die sich im Verhältnis zwischen Geschäftsbanken und Bürgern einstellt. Im zweiten, morgen folgenden Teil, die Veränderung, die sich im Verhältnis zwischen Regierung und Bürgern dadurch einstellt und die bei genauer Betrachtung nicht nur eine Umdefinition von „Freiheit“ hin zu der Freiheit ist, freiweillig an einem Ermittlungsverfahren teilzuhaben, das nicht nicht stattfinden und dem sich zu entziehen unmöglich ist, sondern auch zu einer Bewegung weg von einem demokratischen Staatswesen führt.

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Radio-Feature „Über das Geld und was wir dafür halten“

Florian Felix Weyh hat ein sehr schönes und spannendes Radio-Feature für DeutschlandRadio-Kultur produziert mit dem Titel „Immer knapp – oder wertlos. Über das Geld und was wir dafür halten„, zu dem ich neben dem Volkswirtschaftler Jörg Guido Hülsmann, dem Soziologen Rainer Paris, und dem Finanzjournalisten und Publizisten Lucas Zeise interviewt wurde. Sehr hörenswert, da inhaltlich auf der Höhe des Themas und formal sehr originell gemacht.

Hier der Link zum Audio-Beitrag und dem Manuskript-PDF.

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Unterm Strich zahl‘ ich – mich dumm und dämlich. Stairway to Schuldenfalle mit der Postbank. (re-post postdramatiker.de)

Heute morgen flatterte mir von meinen Kreditinstitut Postbank ein wunderschönes Angebot in den Briefkasten: Weil man doch im Frühjahr einfach raus muss und „was erleben“ will, aber doch so die eine oder andere böse Zahlung anfallen kann, soll ich doch bitteschön gleich mal unterschreiben, dass ich für meine Kreditkarte die Teilzahlungsfunktion aktiviert haben möchte. Die nämlich ist ein tolles Angebot: Ich zahle von meinem Gesamt-Saldo am Ende des Monats nur tolle 10% zurück. Und das kostet auch nur 3,99% Zinsen. Dufte Sache. Geld ausgeben – und nur 10% zurückzahlen.

PB1Das Kleingedruckte (bei der Postbank immer GANZ wichtig) schafft allerdings etwas mehr Klarheit. Die 3,99% gibts nur für sechs Monate als Aktionszinssatz. Danach – springt der Zinssatz auf fantastische 15,77%. Das darf man sich gerne auf der Portemonnaie-Lasche zergehen lassen. Ein Kreditzins in Höhe von fast 16%. Freundlicherweise legt die Postbank noch eine Beispielrechnung für einen Kreditbetrag über 500 Euro bei. Ich schnappte mir den Taschenrechner und zählte die Tilgungsraten zusammen: aus den 500 Euro werden in 12 Monaten 518,52 Euro. Das nennen wir dann mal einen satten Zins.

 

PB2Natürlich weiß die Postbank, dass es hier nicht um 500 Euro-Beträge geht. Wäre ja ein Lacher. Und die Postbank weiß natürlich auch, dass nicht nur in einem Monat Ausgaben auf der Kreditkarte anfallen. Die Kreditkarte ist längst ein gebräuchliches Zahlungsmittel geworden. Vielmehr kommen in jedem Monat neue Saldobeträge hinzu. Von denen – so verstehe ich dieses Angebot – immer nur 10% (inklusive Zins) abgebucht werden. Es entsteht ein hübscher Schuldenschneeball der in rasanter Geschwindigkeit wächst. Spätestens nach Jahresfrist (einigermaßen konstante Kreditkarten-Ausgaben vorausgesetzt) sind die monatlich zu leistenden Tilgungen in derselben Höhe, wie die ursprünglichen Monatstilgungen (ohne dieses fantastische Angebot). Nur dass die Postbank noch ihre satten 16% daraufschlagen kann. Die 3,99 % gelten ja nicht repetierend ab jedem Monatsende, an dem neuen Ausgaben getätigt wurden, sondern nur einmalig ab Vertragsabschluss: also von heute bis zum Oktober. Ab November kostet jede neue in dieses System eingehende Zahlung 16% ab dem ersten Tag.

 

So staut sich eine beträchtliche Schuldenlawine an – insbesondere bei Kunden, deren Zahlungseingänge (aus welchen Gründen auch immer) so beschaffen sind, dass sie Probleme mit der Tilgung haben. Auf genau diese zielt ja das Kreditangebot: Frühjahr. Raus und Leben genießen. Und dann kommen Ausgaben, die man nicht schultern kann und derentwegen Teilzahlung vereinbart werden soll. Genau solche Kunden werden aber natürlich diese Schneeball-Schulden im Leben nicht zurückzahlen können.

 

Das Schöne für die Postbank

 

Die Postbank erlegt damit zwei Fliegen auf einen Schlag:

 

  • zinslose Kreditkarten-Kredite werden in Kredite umgewandelt, für die manch einer umgangssprachlich das Wort „Wucherzinsen“ verwenden würde
  • das bilanzielle Stop-and-Go, das die Girofalle auszeichnet (monatlich entstehen in der Bilanz Kredite, die auch monatlich getilgt werden und damit für die Bank nicht wirklich mittel- oder langfristig berechenbar sind) werden in langfristige Kredite umgewandelt: aus einem 1-Monats-Kredit wird ein 12-Monats-Kredit. Das freut die Bankbilanz, in der bekanntlich jeder Buchgeld-Kredit eines Kunden zweimal auftaucht, einmal dabei als Bankvermögen.

 

Und übrigens werden damit nicht nur zwei Fliegen erschlagen – sondern auch der Kunde. Verbraucherzentrale, bitte übernehmen Sie.

 

 

 

 

Die Girofalle – Spiegel Online streift das Problem

In eine heute auf Spiegel Online im Nachgang der Zypernkrise erschienen Artikel wird das fundamentale Problem gestreift, vor dem sich die Zyprioten jetzt und in den nächsten Tagen sehen, und das in Zukunft noch zu heftigen Verwerfungen führen wird. Es heißt dort im Artikel von Stefan Kaiser:

Unser Erspartes ist eine ziemlich flüchtige Sache. Das geht schon damit los, dass man es normalerweise nicht in der Hand halten kann. Allein in den 17 Ländern der Euro-Zone sind gut zehn Billionen Euro im Umlauf – aber nur rund ein Zehntel davon in Scheinen und Münzen. Der Rest ist digitales Geld, das ausschließlich auf Computerbildschirmen existiert. Es liegt in der Regel auf Konten bei Banken. Und wenn man es bar abheben möchte, kann es im schlimmsten Fall passieren, dass man es nicht bekommt. (Quelle)

Er fährt eher kursorisch mit der Beobachtung fort, dass die Abhebung mit dem Ziel, physische Banknoten in die Hand zu bekommen, natürlich auch der Weisheit letzter Schluss nicht ist, da das physische „Bargeld“ – also Münzen und Scheine – ebenso flüchtig ist, da es nach der Aufhebung des Goldstandards keine andere Deckung mehr hat als das Vertrauen derer, die es verwenden. Wie allerdings auch das Gold – wenn es denn den Goldstandard noch oder wieder gäbe – nicht viel weiter führte, da auch dieses zu einem Kurs akzeptiert werden müsste und, wie Kasier schreibt, nicht gegessen werden kann.

Man könnte nun sagen: jaja, altbekannt. Denn einen wesentlichen Punkt beschreibt (oder sieht) Kaiser nicht: Wenn in den letzten Tagen die Rede von den „Sparern“ war, die durch die Rettungsbeschlüsse mehr oder weniger stark enteignet werden sollen, so ist diese Beschreibung unscharf. Auf den Banken liegt nicht nur das, was klassischerweise als Spargeld bezeichnet werden kann, also Geld, das „überschüssig“ ist und deswegen zum Zwecke der Aufbewahrung oder der Wertsteigerung durch Zinsen

Das Zypern-Experiment – und die Girofalle (re-post)

Zunächst klingt es ganz einfach – aber auch das schon bedrohlich: Zyprische Sparer sollen von ihrem Guthaben zwischen 6,75% (unter 100.000 Euro Guthaben) und 9,9% abgeben als Beitrag zur Lösung der lokalen Finanzkrise. (Mehr auf Spon). Das ist natürlich ein Experiment, das durchaus zu erwarten war. Dieses heißt: Was geschieht, wenn tatsächlich nicht nur institutionelle Investoren und Anleger (wie seinerzeit in Griechenland) bei einem Schuldenschnitt bluten müssen, sondern die Bürger jeder Einkommens- und Vermögensschicht?

Zypern ist der geeignetste Kandidat für ein solches Experiment, weil Bevölkerungszahl und Wirtschaftsleistung in der Eurozone überschaubar sind. Das heißt: Vermutlich sind auch die Schäden bei einem Misslingen beherrschbar. Was heißt hier „Misslingen“?

Dass nah Wiedereröffnung der Banken in den nächsten Tagen die Zyprioten und alle anderen Besitzer von Einlagen auf zypriotischen Banken doch noch ihr (inzwischen reduziertes) Einlagekapital abheben, wegüberweisen, aus Zypern abziehen. Dann stürzen die zypriotischen Banken zusammen, was teuer wird, aber vermutlich für die EU noch rettbar. Dafür ist Zypern eben klein genug – anders sähe das aus, würden etwa Spanien, Italien oder Frankreich diesen Schritt gehen und die entsprechenden Folgen eintreten. Die Zyprioten bluten auf Probe.

Denn wenn es in Zypern gelingt, sich die Stimmung schnell beruhigt, darf über den medialen Gewöhnungseffekt davon ausgegangen werden, dass nunmehr an den Gedanken und an den Prozess gewöhnte Öffentlichkeiten (sicher in Griechenland, vermutlich auch in weiteren Ländern) bei demselben Schnittschritt bei ihnen vermutlich ähnliche Verhaltensweisen auftreten. Die Bürger und Einleger in nachfolgenden Ländern gewöhnen sich daran, dass ein bisschen ihres Geldes verschwindet, der Rest aber erhalten bleibt. Der zweite Skandal ist kein Skandal mehr, sondern als erste Wiederholung bereits ein Schritt zur Routine. Na, kannst halt nix machen, sind ja nur XX Prozent. – Und es werden sicherlich schrittweise mehr Prozent.

Das Risiko der europaweiten Bank-Runs

Das eigentliche Risiko besteht drin, dass die Bürger anderer Ländern den Braten riechen. Dass sie also jetzt zum ersten mal die Bewegung jener kalten, unsichtbaren Hand spüren, die bereits in ihrer Tasche steckt. Dass sie also bereits

Ausblick auf das Krisenjahr 2013

Warum gibt es Geld? Insbesondere: Warum gibt es Papiergeld? Was nicht heißt: Warum wird es herausgegeben, sondern warum wird es akzeptiert und verwendet? Warum rücken Menschen Brötchen und Gurken, Häuser und Autos für bedrucktes buntes Papier heraus? Nennen wir vier Quellen:

1. Gesetzliche Vorgabe: Bestimmte Artefakte werden als „gesetzliches Zahlungsmittel“ vorgeschrieben. In Deutschland ist die aktuell geltende Währung durch §14 Bundesbankgesetz festgelegt

(1) Die Deutsche Bundesbank hat unbeschadet des Artikels 128 Absatz 1 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union das ausschließliche Recht, Banknoten im Geltungsbereich dieses Gesetzes auszugeben. Auf Euro lautende Banknoten sind das einzige unbeschränkte gesetzliche Zahlungsmittel. Die Deutsche Bundesbank hat die Stückelung und die Unterscheidungsmerkmale der von ihr ausgegebenen Noten öffentlich bekanntzumachen.Beziehungsweise durch Artikel 128, Abs 1, Satz des Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union:

Die von der Europäischen Zentralbank und den nationalen Zentralbanken ausgegebenen Banknoten sind die einzigen Banknoten, die in der Union als gesetzliches Zahlungsmittel gelten. (Quelle)

2. Der Staat bzw. staatliche Einrichtungen verlangen, dass Steuern in dieser Währung gezahlt werden

In der Geschichte gab es Situationen, in denen Staaten eine (Papier-)Währung einzuführen versuchten, die Annahmeverweigerung im nichtstaatlichen Zahlungsverkehr sogar mit recht drakonischen Strafen belegten, und doch daran scheiterten, diese Währung durchzusetzen. Der eleganteste Weg zu dieser Durchsetzung ist allerdings,

 

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Steuererhebungen in dieser Währung durchzuführen und zwar nur in dieser Währung. Das führt dazu, dass bei allen Steuerzahlern der Bedarf nach diesen Artefakten entsteht, der dann auch im privaten Zahlungsverkehr nach ihnen sucht. Das ist aus der chartalistischen Geldtheorie seit Knapp bekannt (wenn auch nicht unumstritten).

3. Das Vertrauen der am Zahlungsverkehr Teilnehmenden

Jenseits der Möglichkeiten staatlich-gesetzgeberischen Handelns ist allerdings noch Vertrauen gefordert. Privatleute, Unternehmen, Banken usw. müssen den Artefakten geradezu bewusstlos vertrauen, um sie tatsächlich als einzige Währung voll umfänglich zu nutzen. Auch hier hat die Geschichte Beispiel zu bieten, wo die Zahlungsverkehrsteilnehmer sich zwar zum Zwecke der Steuerzahlung und ähnlicher „zentripetaler“ (Knapp) Zahlungen mit der gesetzlichen Währung versorgten, zugleich aber noch eine zweite Währung im Umlauf war.

Es ist aber darüber hinaus festzustellen, dass die Gesetzgeber selbst dafür sorgten, dass eine Zweitwährung bestand. In der Vergangenheit waren dies metallische Zweitwährungen wie Silber oder Gold, die zumeist zu festen Sätzen an das Papier- oder auch an das Buchgeld gekoppelt waren. Die Banknoten wiesen lange Zeit eine Formulierung auf, aus der zu lesen war, dass der Einlieferer einer bestimmten Banknote dafür eine bestimmte Menge der metallischen Zweitwährungen bekommen würde. Ein vertrauensbildende Maßnahme, die sicherstellen sollte, dass das Vertrauen dadurch bestehen blieb, dass der Besitzer einer Banknote jederzeit in dem Glauben sein durfte, dieses Artefakt in etwas „Reales“ (diskutieren wir an dieser Stelle nicht die Wert-realität von Metallen, das würde zu weit führen aber nicht weiter) umtauschen zu können. Die „Deckung“ von Papier- oder Buchgeld ist also nichts anderes, als eine vertrauensbildende Maßnahme.

4. Gewohnheit

Die am Zahlungsverkehr Teilnehmenden stellen sich überwiegend die Frage nach dem Geld nicht. Es ist da. Es wird akzeptiert. Man kann dafür alles Mögliche kaufen. Man erhält es als Lohn. Man kann die Steuer zahlen damit. Warum sich Gedanken machen über die Natur des Geldes. Solange es funktioniert, ist es gut.

Der kritische Moment

Schwierig wird die Situation in dem Moment, wo die selbstverständliche Gewohnheit aussetzt. Menschen also anfangen, nach dem Wert des gesetzlichen Zahlungsmittels zu fragen oder ihn gar in Zweifel ziehen, wie wir es in den letzten Jahren erlebt haben. Wenn immer wieder zu hören ist, dass der Euro vielleicht keine Zukunft hat oder durch Inflation an Wert verlieren wird, schwindet das gewohnte Vertrauen in die Währung. Das führt dazu, dass eine wachsend Menge an Geldbesitzern versuchen wird, das in Zweifel gezogene Artefakt zu „realisieren“. Das heißt: es einzuwechseln gegen etwas Anderes, das als weniger zweifelhaft gilt. Etwa weil es für „wertbeständig“ gehalten wird. Oder weil es – über den Tauschwert, aus dem das Geld besteht, hinaus – vielleicht auch einen Gebrauchswert hat.

Die Suche nach Wertbeständigen führt zurück in alte Zeiten: Man sucht nach Edelmetallen. Silber und Gold. Mit dem Problem, dass in Zeiten, in denen Gold an Papier- (oder Buch-)Geld nicht mehr fest gekoppelt ist, der Preis des Edelmetalls schwankt und mit steigender Nachfrage steigt. Was wiederum heißt: Man läuft Gefahr, mehr Papiergeld für das Gold zu bezahlen, als es „wert“ ist. Denn wenn der Geldwert und der Goldwert nicht fix sind, Gold einen schwankenden Preis hat, kann der Preis auch höher sein als der Wert – paradoxerweise. Weniger paradox formuliert: Ich bin genötigt, jetzt für das Gold mehr Papiergeld hinzulegen, als ich zu einem späteren Zeitpunkt dafür zurück erhalte. Was wiederum zu einer doppelten Unsicherheit führt: Denn nicht nur der „Preis“ des Goldes schwankt, sondern  auch der „Wert“ des Papiergeldes. Sodass also möglicherweise nach eine bestimmten Zeit ein  Betrag des Papiergeldes für das Gold erlöst werden kann, der dem Betrag des Kaufpreis des Goldes entspricht und doch einen geringeren Wert darstellt.

Das führt dazu, dass nach dem Ende der festgelegten Umtauschkurse von Papier-(bzw. Buch-)Geld und Gold der Umtausch von Geld in Gold zu einem spekulativen Akt wird. Man muss darauf setzen, dass das Gold zu einem Zeitpunkt erworben wird, da noch nicht so viele andere Geldbesitzer auf diese Idee gekommen sind, dass der Goldpreis „überhöht“ ist. Und man muss darauf acht, den gegenläufigen Prozess zu einem Zeitpunkt durchzuführen, da einerseits noch nicht die überwiegende Zahl von Goldbesitzern auf diese Idee gekommen ist (und den Goldpreis damit sinken lässt), andererseits aber auch nicht so frühzeitig, dass nicht ein mögliches Maximum an Ertrag damit erzielt wird. Der Besitz des Goldes selbst hat keinen Vorteil, da das Gold (nahezu) keinen Gebrauchswert hat.

Und dann: die zwangsläufige Immobilienblase

Wenn also Gold nicht für alle Geldbesitzer, die am Geld zu zweifeln beginnen, die Lösung ist, was dann? Wer am Geld zweifelt, wird versuchen, es (vom papiernen Artefakt und mehr noch aus den Büchern heraus) zu realisieren. Insbesondere das virtuelle Geld in den digitalen Büchern soll dann realisiert werden, das heißt: aus dem Zugriff der Banken, die zugleich mit dem Geldwert in Zweifel stehen, und aus seiner „virtuellen“ ungreifbaren Form herauskommen und etwas „Reales“ werden. Die Öffentlichkeit zeigt in den letzten Wochen und Monaten sehr deutlich, was es ist, das dann gekauft wird. Etwas, das ungefähr zu beständig ist wie Gold, aber neben dem bloßen Tauschwert noch einen Nutzwert hat, der dafür sorgt, dass selbst bei einem Totalverlust des Tauschwertes immerhin doch noch ein Wert bleibt, eben der Nutzwert. Betongold. Immobilien. Sie sind ungefähr so beständig wie Gold, aber man kann zusätzlich noch darin wohnen – und damit ein konstanten Bedürfnis befriedigen (während das Bedürfnis nach Goldbesitz nicht genauso konstant ist).

Was wird uns das Jahr 2013 bringen? Die Zweifel am Euro sind gesät und bleiben bestehen. Die Zweifel an der Zuverlässigkeit der Banken bestehen fort. Und durch die massiven Bedenken an virtuellen „Anlagen“ (seien es Sparbücher, Fonds, Aktien, Derivate) ergeben sich für vorhandenes Geld immer weniger Möglichkeiten, sich in etwas anderem zu „realisieren“ als in „Betongold“. Was ebenfalls jetzt schon diversen Quellen zu entnehmen ist, wird 2013 zum bestimmenden Thema auch in Deutschland. Und zwar sorgt hier (scheinbar) paradoxerweise nicht die „schlechte“ wirtschaftliche Lage für massive Probleme, sondern im Gegenteil, die „gute“ wirtschaftliche Situation, insbesondere das Sparvermögen der deutschen Bevölkerung. Setzen wir zwei Zahlen in Beziehung:

  1. das Geldvermögen in Deutschland beträgt 4,81 Billionen Euro im Jahr 2012
  2. das Immobilienvermögen in Deutschland beträgt ca. 9,5 Billionen Euro

Drängen nun also bedeutende Summen des Geldvermögens zur Realisierung in Betongold, geht man (realistischerweise) davon aus, dass diese Realisierung nicht voll umfänglich in Neubauten erfolgt und geht man weiter davon aus, dass nur ein überschaubarer (und entsprechend knapper, also teurer) Prozentsatz der vorhandenen Privatimmobilien verkauft werden wird (warum sollte ein Besitzer, der bereits am Ziel ist, nämlich Betongold hält, sich davon trennen?), ist in den nächsten Monaten eine ziemlich stattliche Immobilienblase absehbar.

Nimmt man dann noch dazu an, dass nicht nur das Geldvermögen mobilisiert wird, sondern Betongold zusätzlich durch Kredit gekauft wird, darf man sich ausmalen, dass diese Blase noch stattlicher wird. Und wenn man dann noch davon ausgeht, dass die mutmaßlich explodierenden Immobilienpreise sich auch in steigenden Mieten niederschlagen (weil Wohnungen Kapitalanlagen sind und als solche vermietet werden), darf man sich auf ein Jahr 2013 gefasst machen, das in Deutschland eine Krise sieht, die nicht aus der Armut, sondern aus dem Überreichtum stammt.

Und die Moral von der Geschicht?

Eine staatliche Währung, die keine „Deckung“, also keine staatlich garantierte physische Zweitwährung mehr hat, ist „Realisierungsbewegungen“ von Digitalgeld ausgeliefert, die in Gegenständen des lebensweltlichen Bedarfs (wie Wohnungen) führt. Das virtuelle Geld versucht, sich in Betongold zu retten. Das führt notwendigerweise zu einem Steigen der Betongoldpreise – bis zum Zusammenbruch.

Anders gesagt: Die Krise wird 2013 Deutschland erreichen, gerade weil die Deutschen enorm wohlhabend sind.

Ich wünsche allen Lesern einen guten Start ins neue Jahr.

 

 

 

 

 

Lesetipp: Warren Moslers „The 7 Deadly Innocent Frauds of Economic Policy“ als kostenloses PDF

Ich habe gerade erst angefangen, hinein zu lesen. Warren Mosler, die hier bloggt und für die Huffington Post schreibt, hat sein Buch „The 7 Deadly Innocent Frauds of Economic Policy“ als kostenlosen PDF Dowload (link siehe unten)  ins Netz gestellt. Die sieben Todsünden und seine Gegenthesen lauten:

Deadly Innocent Fraud #1:
The federal government must raise funds through taxation or borrowing in order to spend. In other words, government spending is limited by its ability to tax or borrow.
Fact:
Federal government spending is in no case operationally constrained by revenues, meaning that there is no “solvency risk.” In other words, the federal government can always make any and all payments in its own currency, no matter how large the deficit is, or how few taxes it collects.

Deadly Innocent Fraud #2:
With government deficits, we are leaving our debt burden to our children.
Fact:
Collectively, in real terms, there is no such burden possible. Debt or no debt, our children get to consume whatever they can produce.

Deadly Innocent Fraud #3:
Federal Government budget deficits take away savings.
Fact:

 

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Federal Government budget deficits ADD to savings.

Deadly Innocent Fraud #4:
Social Security is broken.
Fact:
Federal Government Checks Don’t Bounce.

Deadly Innocent Fraud #5:
The trade deficit is an unsustainable imbalance that takes away jobs and output.
Facts:
Imports are real benefits and exports are real costs. Trade deficits directly improve our standard of living. Jobs are lost because taxes are too high for a given level of government spending, not because of imports.

Deadly Innocent Fraud #6:
We need savings to provide the funds for investment.
Fact:
Investment adds to savings.

Deadly Innocent Fraud #7:
It’s a bad thing that higher deficits today mean higher taxes tomorrow.
Fact:
I agree – the innocent fraud is that it’s a bad thing, when in fact it’s a good thing!!!

Was mir daran nach den ersten „Frauds“ bereits spannend erscheint, ist, dass dieser theoretische Ansatz („Theorie“ einmal nicht im allzu strengen, deutschen Sinne genommen) bereits in seinen Grundlagden das digitalökonomische FIAT-Money enthält. Er schlussfolgert aus der These, dass Geld eben nichts „Reales“ (mehr) ist, sondern lediglich das Ergebnis von Zahlenveränderungen in digitalen Systemen, dass staatliche Ausgaben und Einnahmen keine „realen“ rückzahlbaren Verpflichtungen (wie bei der schwäbischen Hausfrau) darstellen, sondern schlichte Buchungsprozese sind. Mosler schreibt:

“How are we going to pay for it?” And the answer is: the same way government pays for anything, it changes the numbers in our bank accounts. The federal government isn’t going to “run out of money,” as our President has mistakenly repeated. There is no such thing. Nor is it dependent on “getting” dollars from China or anywhere else. All it takes for the government to spend is for it to change the numbers up in bank accounts at its own bank, the Federal Reserve Bank. There is no numerical limit to how much money our government can spend, whenever it wants to spend.“ (16f. im PDF)

Tut man das in dieser Radikalität, kann man kaum anders als zu dem Ergebnis zu kommen, dass Staatsschulden die Bedingungen für aktuellen und zukünftigen Wohlstand sind, dass die Furcht vor der Rückzahlung lachhaft ist – und dass diese gesamte Austeritäts-Paranoia nichts anderes ist als ein Wahnsinn.

Den Text kann man hier direkt herunterladen.

 

Keynes über die Girofalle

Über die Girofalle und die damit verbundene Instabilität hat interessanterweise bereits 1930 John Maynard Keynes in „Vom Gelde „ geschrieben. Ich zitiere das mal in ganzer Länge:

Wenn wir von einem geschlossenen Banksystem ausgehen, das keine Beziehungen zum Ausland unterhält [und das Digitalgeldsystem kennt ja kein „Ausland“ mehr; U.S.] und in einem Land betrieben wird, in dem alle Zahlungen mittels Schecks beglichen werden und Bargeld unbekannt ist, und wenn wir weiter annehmen, dass die Banken es unter diesen Umständen für unnötig halten, Barreserven zu halten, vielmehr jede zwischenbankliche Verschuldung durch Übertragung anderer Aktivposten regeln, so ist es klar, dass der Betrag an Bankgeld, den die Banken bei Beachtung solider Bankgrundsätze schaffen können, unbegrenzt ist, vorausgesetzt, dass sie sich im Gleichschritt vorwärts bewegen. Die gesperrt gedruckten Worte enthalten den Schlüssel für das Funktionieren des Systems. Es wird geschwächt durch jede Vorwärtsbewegung einer individuellen Bank, hingegen gestärkt durch jede gleichwertige Bewegung einer Nachbarbank, so daß, wenn alle zusammen sich vorwärts bewegen, per Saldo niemand geschwächt wird. Das Geschäftsgebaren jeder einzelnen Bank, wenngleich sie es sich nicht leisten kann, den anderen mehr als einen Schritt voraus zu sein, wird also bestimmt durch das durchschnittliche Vorgehen aller Banken zusammen; […] Jeder Bankleiter, der in seinem Arbeitszimmer sitzt, darf sich als das passive Werkzeug äußerer Gewalten ansehen, über die ihm jede Kontrolle fehlt; dennoch mögen diese ‚äußeren Gewalten‘ niemand anders sein, als er und seine Kollegen; jedenfalls sind es nicht die Depositenkunden seiner Bank.

Einem Währungssystem dieser Art würde eine Unstabilität innewohnen. Denn alle Bestrebungen,

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Eine Idee zur Lösung der Girofalle

Anschließend an das letzte Posting eine Idee, wie sich die schleichende Enteignung der Bürger durch die Girobanken umgehen ließe. Durchaus in Anknüpfung an Knapp. Im Grund läuft es darauf hinaus, nicht das Geschäfts- vom Investmentbankgeschäft zu trennen, sondern das Zentralbankgeldsystem vom Privatbankgeldsystem. Denn klar ist: Wenn Privatbanken mit Zentralbankwährung tendenziell die Geldmenge unbegrenzt ausweiten können, kann das System gar nicht stabil bleiben. Wenn die Systemrelevanz von Banken reduziert werden soll, muss man sie schlicht aus dem kritischen System extrapolieren.

Recap: Die Situation

  1. Zahlungen werden zunehmend von Girokonto zu Girokonto getätigt, das Geld der Menschen verlässt das Banksystem heute kaum noch, in absehbarer Zeit gar nicht mehr. Das versorgt die Banken mit einem immensen Finanzkapital, das sie einsetzen, um auch die Maßnahmen zu finanzieren, für die sie hinterher wiederum von ihren Kunden, den Bürgern gerettet werden müssen, diesmal aber i deren Funktion als Steuerzahler.
  2. Durch das Prinzip der Fiatmoney-Kreditvergabe, das heißt der Berechtigung der Banken, Kreditgeld „aus der Luft“ zu erschaffen und zugleich durch diese Kreditgeldschaffung in der Euro-Währung greifen Privatbanken tief in das Recht der Geldschöpfung und der Geldmengenkontrolle des Staates bzw. der Zentralbanken ein. Es ist weder für Staaten noch für Zentralbanken heute noch regelbar, wie viel Geld geschaffen wird und zirkuliert. Mit G.F.Knapp ist zu betonen, das dieses Recht der Giralgeldschöpfung nicht notwendigerweise daran geknüpft sein muss, dass es Euro sind, die die Banken schaffen. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass dies eine bankeneigene Währung sein kann – und das macht sogar hochgradig Sinn. Deswegen folgender

Vorschlag zur Reform des Giralgeldverkehrs

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