Abschaffung des Bargelds II: Entmachtung des Bürgers

Im ersten Teil des Beitrags war geschildert worden, wie die bevorstehende Abschaffung des Bargelds die Bürger auf Gedeih und Verderb den Geschäftsbanken ausliefert. In diesem Teil soll nun gezeigt werden, dass die aktuell diskutierte Vorratsdatenspeicherung ein Witz gegen das ist, was mit der Bargeldabschaffung bevorsteht. Hellhörig dürfte dabei machen, dass „Experten“, die die Bargeldabschaffung fordern, insbesondere damit argumentieren, dass damit Kriminelle (insbes. Drogenhändler) und Steuerhinterzieher getroffen werden. (z.B. hier).

Creative Commons License
Schuld und Schein. Ein Geldstück. by Schuld und Schein. Ein Geldstück. is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License.
Based on a work at schuldundschein.de.
Permissions beyond the scope of this license may be available at http://schuldundschein.de.

Abschaffung des Bargelds I: Enteignung des Bürgers

Seit einigen Wochen mehren sich Stimmen, die die endgültige Abschaffung des Bargelds fordern (Peter Bofinger), ernsthaft erwägen oder mit unterschiedlichen Argumenten ablehnen (Roland Tichy, Heiner Flassbeck). Zugleich findet sich eine vergleichsweise breite politische Öffentlichkeit, die die sogenannte Vorratsdatenspeicherung kritisiert oder aktivistisch bekämpft – ohne offenbar zu ahnen, dass sich hinter der Bargeld-Debatte eine Art der Vorratsdatenspeicherung und Ermächtigung des Staates (und der Banken) verbirgt, als sie sich in ihren ärgsten Albträumen ausmalen könnten. Warum das so ist – das soll dieser zweiteilige Artikel ausführen. Im ersten Teil wird die Verschiebung beschrieben, die sich im Verhältnis zwischen Geschäftsbanken und Bürgern einstellt. Im zweiten, morgen folgenden Teil, die Veränderung, die sich im Verhältnis zwischen Regierung und Bürgern dadurch einstellt und die bei genauer Betrachtung nicht nur eine Umdefinition von „Freiheit“ hin zu der Freiheit ist, freiweillig an einem Ermittlungsverfahren teilzuhaben, das nicht nicht stattfinden und dem sich zu entziehen unmöglich ist, sondern auch zu einer Bewegung weg von einem demokratischen Staatswesen führt.

Creative Commons License
Schuld und Schein. Ein Geldstück. by Schuld und Schein. Ein Geldstück. is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License.
Based on a work at schuldundschein.de.
Permissions beyond the scope of this license may be available at http://schuldundschein.de.

Radio-Feature „Über das Geld und was wir dafür halten“

Florian Felix Weyh hat ein sehr schönes und spannendes Radio-Feature für DeutschlandRadio-Kultur produziert mit dem Titel „Immer knapp – oder wertlos. Über das Geld und was wir dafür halten„, zu dem ich neben dem Volkswirtschaftler Jörg Guido Hülsmann, dem Soziologen Rainer Paris, und dem Finanzjournalisten und Publizisten Lucas Zeise interviewt wurde. Sehr hörenswert, da inhaltlich auf der Höhe des Themas und formal sehr originell gemacht.

Hier der Link zum Audio-Beitrag und dem Manuskript-PDF.

Creative Commons License
Schuld und Schein. Ein Geldstück. by Schuld und Schein. Ein Geldstück. is licensed under a Creative Commons Attribution-NonCommercial 4.0 International License.
Based on a work at schuldundschein.de.
Permissions beyond the scope of this license may be available at http://schuldundschein.de.

Dieter Hildebrandt im stoersender.tv über die Fiat Money Geldschöpfung

Inzwischen kommt die Nachricht über die Herkunft des Giral- oder Buchgeldes auch im Mainstream-Kabarett an. Dieter Hildebrandt lässt im aktuellen Beitrag des Online-Kabarettsenders stoersender.tv zunächst den Rechtsanwalt und Occyupy-Aktivisten udn Rechtsanwalt Hans Scharpf das Fiat Money System darstellen und erklärt es dann noch einmal selbst ab ca. Minute 13. Macht Spaß und Sinn, sich das anzusehen – auch alles vor- und hinterher.

Und wer mehr darüber auf der Theaterbühne sehen will, der reise am oder ab dem 5.Juli 2013 nach München zum Metropoltheater zur Uraufführung von „Schuld und Schein„.

 

Lesetipp: Warren Moslers „The 7 Deadly Innocent Frauds of Economic Policy“ als kostenloses PDF

Ich habe gerade erst angefangen, hinein zu lesen. Warren Mosler, die hier bloggt und für die Huffington Post schreibt, hat sein Buch „The 7 Deadly Innocent Frauds of Economic Policy“ als kostenlosen PDF Dowload (link siehe unten)  ins Netz gestellt. Die sieben Todsünden und seine Gegenthesen lauten:

Deadly Innocent Fraud #1:
The federal government must raise funds through taxation or borrowing in order to spend. In other words, government spending is limited by its ability to tax or borrow.
Fact:
Federal government spending is in no case operationally constrained by revenues, meaning that there is no “solvency risk.” In other words, the federal government can always make any and all payments in its own currency, no matter how large the deficit is, or how few taxes it collects.

Deadly Innocent Fraud #2:
With government deficits, we are leaving our debt burden to our children.
Fact:
Collectively, in real terms, there is no such burden possible. Debt or no debt, our children get to consume whatever they can produce.

Deadly Innocent Fraud #3:
Federal Government budget deficits take away savings.
Fact:

 

>>weiterlesen

 

Federal Government budget deficits ADD to savings.

Deadly Innocent Fraud #4:
Social Security is broken.
Fact:
Federal Government Checks Don’t Bounce.

Deadly Innocent Fraud #5:
The trade deficit is an unsustainable imbalance that takes away jobs and output.
Facts:
Imports are real benefits and exports are real costs. Trade deficits directly improve our standard of living. Jobs are lost because taxes are too high for a given level of government spending, not because of imports.

Deadly Innocent Fraud #6:
We need savings to provide the funds for investment.
Fact:
Investment adds to savings.

Deadly Innocent Fraud #7:
It’s a bad thing that higher deficits today mean higher taxes tomorrow.
Fact:
I agree – the innocent fraud is that it’s a bad thing, when in fact it’s a good thing!!!

Was mir daran nach den ersten „Frauds“ bereits spannend erscheint, ist, dass dieser theoretische Ansatz („Theorie“ einmal nicht im allzu strengen, deutschen Sinne genommen) bereits in seinen Grundlagden das digitalökonomische FIAT-Money enthält. Er schlussfolgert aus der These, dass Geld eben nichts „Reales“ (mehr) ist, sondern lediglich das Ergebnis von Zahlenveränderungen in digitalen Systemen, dass staatliche Ausgaben und Einnahmen keine „realen“ rückzahlbaren Verpflichtungen (wie bei der schwäbischen Hausfrau) darstellen, sondern schlichte Buchungsprozese sind. Mosler schreibt:

“How are we going to pay for it?” And the answer is: the same way government pays for anything, it changes the numbers in our bank accounts. The federal government isn’t going to “run out of money,” as our President has mistakenly repeated. There is no such thing. Nor is it dependent on “getting” dollars from China or anywhere else. All it takes for the government to spend is for it to change the numbers up in bank accounts at its own bank, the Federal Reserve Bank. There is no numerical limit to how much money our government can spend, whenever it wants to spend.“ (16f. im PDF)

Tut man das in dieser Radikalität, kann man kaum anders als zu dem Ergebnis zu kommen, dass Staatsschulden die Bedingungen für aktuellen und zukünftigen Wohlstand sind, dass die Furcht vor der Rückzahlung lachhaft ist – und dass diese gesamte Austeritäts-Paranoia nichts anderes ist als ein Wahnsinn.

Den Text kann man hier direkt herunterladen.

 

Hält die Modern Monetary Theory bei den Wirtschaftsweisen Einzug?

Eine ganz interessante Koinzidenz: Während ich mich gerade mit der sehr inspirierenden, aber in der orthodoxen Wirtzschaftswisenschaft vehement abgelehnten Modern Monetary Theory beschäftige (auf Wikipedia direkt im Artikel „Chartalism“ eingebunden), nämich mit L. Randall Wrays Buch gleichen Namens, lese ich auf Spon eine Interview mit dem Wirtschaftsweisen Peter Bofinger, der eine der zentralen Annahmen der MMT zu bestätigen scheint.

Die zentrale These der MMT: Vermögen und Schulden sind ein Nullsummenspiel zwischen dem Privatsektor (Haushalte, Unternehmen, Banken), dem Staat und dem Ausland. Die Schulden des einen sind das Vermögen des anderen. Das heißt: Es kann im Privatsektor kein Vermögen geben, wenn der Staat sich nicht verschuldet.  Die Schulden des Staates sind das Vermögen des privaten Sektors – sehr vereinfacht, da das Ausland in dieser Beziehung ausgeblendet bleibt. In Deutschland wurde diese These sehr prominent und wortmächtig von Thomas Strobel in „Ohne Schulden läuft nichts“ dargestellt. Wray bringt es auf die einfache Formel:

Domestic Private Balance + Domestic Government Balance + Foreign Balance = 0

Das läuft natürlich allem zuwieder, was rund um die „schwäbische Hausfrau“, den aktuellsten Mythos der Finanzpolitik, zu hören und zu lesen ist. Die Staatsschulden, so dieser Mythos, müssen reduziert und abgezahlt werden. Was natürlich schon historisch sehr zweifelhaft ist, da Staatsschulden nur in verschwindet geringer Fallzahl in der Vergangenheit tatsächlich „zurückgezahlt“ wurden. Hier ist tatsächlich ein fundamentaler Unterschied zu sehen zwischen dem Privatsektor (Haushalte, Firmen, Banken)

 

 

weiterlesen>>

 

 

Die Selbstdemontage der Wirtschaftswissenschaft

Was wohl würde mit einer Ingenieurswissenschaft geschehen, deren fortschrittlichste Gebäude nach etwa 50 Jahren angeblich ohne Vorwarnung in sich zusammenfallen und die Bewohner unter sich begraben? Und was geschieht mit Wirtschaftswissenschaftlern, deren Gebäude unter Inkaufnahme zahlloser Opfer in sich zusammenbrechen? Sie bekommen Nobelpreise. Nicht die Ingenieure. Italien beweist gerade, dass man Wissenschaftler auch in Haftung nehmen kann (spon).

Das gegenwärtige Wirtschaftssystem ist kein Natursystem, das unter den melancholischen Augen wirtschaftswissenschaftlicher Naturforscher vor sich hin blüht, wächst und gedeiht. Es ist ein Gebäude, das aus den Theorien der Wirtschaftswissenschaft errichtet, von den Kreaturen, die sie studiert haben, erbaut und betrieben wird. Wenn diese Krise nur eines zur Fiolge haben sollte, dann die Vorladung der Wirtschaftswissenschaft vor die Tribunale der Öffentlichkeit. Haben sie sich nicht alle lustig gemacht darüber, wie durch ökonomische Blindheit der Theoretiker die DDR und andere Staaten des Ostblocks zusammenbrachen? Und lachen sie jetzt noch, wo ihr eigenes System bröckelt. Und zwar an Stellen, von denen abzulesen ist, dass es mit dem Bröckeln nicht getan sein wird, sondern dass es die tragenden Strukturen sind, die gerade nachgeben.

Warum?

Weil die Ökonomie in ihrem naiven Bestreben, eine seriöse, ernst zu nehmende und positive Wissenschaft zu werden, sich

weiterlesen>>