Eine Idee zur Lösung der Girofalle

Anschließend an das letzte Posting eine Idee, wie sich die schleichende Enteignung der Bürger durch die Girobanken umgehen ließe. Durchaus in Anknüpfung an Knapp. Im Grund läuft es darauf hinaus, nicht das Geschäfts- vom Investmentbankgeschäft zu trennen, sondern das Zentralbankgeldsystem vom Privatbankgeldsystem. Denn klar ist: Wenn Privatbanken mit Zentralbankwährung tendenziell die Geldmenge unbegrenzt ausweiten können, kann das System gar nicht stabil bleiben. Wenn die Systemrelevanz von Banken reduziert werden soll, muss man sie schlicht aus dem kritischen System extrapolieren.

Recap: Die Situation

  1. Zahlungen werden zunehmend von Girokonto zu Girokonto getätigt, das Geld der Menschen verlässt das Banksystem heute kaum noch, in absehbarer Zeit gar nicht mehr. Das versorgt die Banken mit einem immensen Finanzkapital, das sie einsetzen, um auch die Maßnahmen zu finanzieren, für die sie hinterher wiederum von ihren Kunden, den Bürgern gerettet werden müssen, diesmal aber i deren Funktion als Steuerzahler.
  2. Durch das Prinzip der Fiatmoney-Kreditvergabe, das heißt der Berechtigung der Banken, Kreditgeld „aus der Luft“ zu erschaffen und zugleich durch diese Kreditgeldschaffung in der Euro-Währung greifen Privatbanken tief in das Recht der Geldschöpfung und der Geldmengenkontrolle des Staates bzw. der Zentralbanken ein. Es ist weder für Staaten noch für Zentralbanken heute noch regelbar, wie viel Geld geschaffen wird und zirkuliert. Mit G.F.Knapp ist zu betonen, das dieses Recht der Giralgeldschöpfung nicht notwendigerweise daran geknüpft sein muss, dass es Euro sind, die die Banken schaffen. Beispiele aus der Vergangenheit zeigen, dass dies eine bankeneigene Währung sein kann – und das macht sogar hochgradig Sinn. Deswegen folgender

Vorschlag zur Reform des Giralgeldverkehrs

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  1. Jeder Bürger der EU erhält bei seiner Geburt ein Standard-Konto bei entweder seiner staatlichen Zentralbank oder (besser) bei der EZB. Das ist eine lebenslange Nummer, gleich der Ausweis- oder Sozialversicherungsnummer. Selbstverständlich unterliegt diese Bank dem Bankgeheimnis. Als Begrüßungsgeld wird dem Nürger darauf ein Betrag vom 1.000 Euro gutgeschrieben, der bis zum 18. Geburtstag fest liegt.
  2. Dieses Standardkonto dient den Bürgern – wie der Name sagt – standardmäßig als Kurrentkonto für Gehalt, Miete usw. Für alles, was ein Girokonto so tut. Die EZB verwaltet damit also Einlagen der Bürger. Sie bietet Sparbücher und Obligationen an.
  3. Die Einlagen auf dem Standardkonto sowie EZB-Sparbücher werden verzinst. Das Konto in Höhe der Inflation, das Sparbuch ein wenig höher.
  4. Jeder Bürger kann jederzeit ein Konto bei einer Privatbank eröffnen, sofern diese seinem Antrag stattgibt. Er kann seine Geschäfte komplett oder teilweise dorthin verlagern, wenn ihn das Angebot der Bank interessiert. Allerdings sind seine Einlagen nicht vollständig geschützt, das Privatbanken – anders als Zentralbanken – pleitegehen können. Die Sicherungseinrichtungen klärt der Internationale Bankenverband.
  5. Die Zentralbank unterhält keine Filialen, ihre Konten sind Online-Konten. Ein- und Auszahlungen finden an Automaten statt. Die Gebühr beträgt höchstens 0,5% des Auszahlungsbetrages, kann von Privatanbietern durchgeführt werden. Bankberatung findet nicht statt, ebenso wenig Verkauf von anderen Bankprodukten.
  6. Die Konten der Privatbanken werden in einer anderen Währung als dem Euro geführt (siehe Beispiel der Hamburger Girobank im letzten Posting).  Sie rechnen in Banko. In diese Währung wird die Einlage konvertiert.
  7. Die Fiatmoney-Geldschöpfung der Privatbanken ist nur in Banko, nicht in Euro zulässig. Kunden zahlen zwar Euro in die Bank ein, erhalten auch Euro wieder zurück, da der Banko eine reine Buchgeldeinheit ist (dem ECU vergleichbar), aber diese Umwandlung geschieht nach einem Umtauschsatz und ist nicht gesetzlich, sondern lediglich durch die Banken garantiert. Hat eine Bank keine Möglichkeit, bestehende Banko-Guthaben in Euro zurück zu tauschen, ist dieser Zahlungsausfall Problem des Kunden, der sein Geld nicht wieder bekommt.
  8. Privatbanken müssen ihr Eigenkapital zur Deckung des Banko-Verkehrs in Euro vorhalten. Es gibt eine ganz klare Trennung zwischen Eigenkapital und Arbeitskapital, ähnlich wie zu Zeiten der Gold-Deckung, als Papiergelder durch Gold gedeckt sein mussten. Allerdings war beim Papiergeld zumeist der Goldpreis festgelegt, der Banko hingegen ist flexibel. Die Umtauschsätze Euro-Banko werden vom internationalen Bankenverband beschlossen. Es steht allerdings jeder Bank offen, eine eigene Buchgeldwährung zu schaffen, sich also dem Banko zu entziehen.
  9. Der Banko ist die Buchwährung der Banken. Von diesen können sie so viele erzeugen, wie es die Risikoabsicherung durch vorhandene Eigenmittel zulässt. Aber: Die Bankos der einen Bank können nicht zum Eigenkapital der anderen Bank werden. Als Eigenmittel müssen Euro hinterlegt sein, die entweder von Kundeneinlagen stammen oder von der Zentralbank geliehen werden.
  10. Damit sind die Giralgeldsysteme der Banken vom Giralgeldsystem der Gesellschaft und des Staates entkoppelt. Einstürzende Banko-Banken ziehen den Verlust aller Einlagen nach sich, sie beeinfluss aber nicht das staatliche Geldsystem in systemgefährdender Weise.
  11. Die EZB wiederum kann nun mit den Spar- und Giroguthaben der Bürger wirtschaften. Sie gewährt daraus Staaten Kredite, kann auch über Institute wie die KfW gesellschaftlich oder politisch besonders wichtige unternehmerische Projekte fördern.
  12. Das Schöne daran: Es sind die Bankeinlagen der Bürger, die zur Finanzierung des Staates mit herangezogen werden. Ist bei den Vergaben darauf geachtet, dass die Investitionen, die die Staaten damit finanzieren, wiederum als Gehälter in den Taschen der Bürger landen, schließt sich ein Kreislauf. Bürger leihen dem Staat Geld aus ihren Ersparnissen, das der ihnen wiederum als Gehalt zahlt.

Welche Beträge kommen hier europaweit zusammen, wenn alleine in Deutschland die Summe von jährlichen Einkommen, Geldvermögen, Unternehmensgewinnen, Renten usw. einen sicher zweistelligen Billionenbetrag ausmacht? Es gäbe keine „armen“ Staaten mehr dort, wo die Privathaushalte unermesslichen Reichtum aufgehäuft haben. Und es würde nicht einmal zu Steuererhöhungen kommen müssen, um Kindergärten, Universitäten, Straßen, Krankenhäuser zu bauen.

Die Tatsache, das die Banken aus diesem Kreislauf ausgeschlossen werden, zudem der Einstieg der EZB in die direkte Staatsfinanzierung, aber nicht auf Fiatmoney-, sondern auf Einlagenbasis, sorgt dafür, dass der Reichtum der Bürger einerseits der Gesellschaft zugutekommt, während andererseits diejenigen, die ihn aufgehäuft haben, nicht enteignet werden.

Zudem sinkt der automatische Geldfluss zu den Privatbanken, da nunmehr nichtmehr alle Gehälter und Zahlungen automatisch bei ihnen, sondern zum großen Teil bei der EZB landen, sie sich um Kunden und deren Einlagen aktiv (z.B. durch anständige Zinsen) bemühen müssen.

Und die Herrschaft von EZB und Politik über den Euro als Währung ist wieder hergestellt, das die Banken keinen Einfluss auf die Erzeugung von Euro durch Kreditgeld haben. Sie schaffen Banko. Die können sie auch vernichten – aber das schert das Eurosystem dann wenig.

Übrigens sind solche Eigenwährungen völlig verbreitet und jedermann geläufig: Payback-Punkte, Flugmeilen, Facebook-Credits, Lindendollar und so weiter sind letztlich nichts anderes als konvertierbare Eigenwährungen. Wenn eine dieser „Währungen“ pleitegeht – bekommt das staatliche Finanzsystem nicht einmal Schluckauf.

Simpel, was?

Wetten, dass die Privatbanken das nicht mitmachen?

2 Responses to “Eine Idee zur Lösung der Girofalle”

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  1. kusanowsky says:

    Warum nicht noch einfacher: Abschaffung des Kreditmonopols der Banken und der Abschaffung des Geldmonopols der Staaten? Denn dieses Monopol ist ein Monopol zum Schummeln: der Staat gibt Zahlungsversprechen heraus, die er nicht hält, und Banken verleihen Geld, das sie nich haben.Die Lösung wäre, den Vorteil, der daraus entspringt, zu nutzen, aber den Nachteil abzuschaffen. Denn der Nachteil besteht darin, dass mit dem Niedergang der Monopolbanken die ganze Wirtschaft nach unten gezogen wird. Würde man das Monopol aber abschaffen und auf alle ausdehnen, die bei einer Zentralversicherung Sicherheiten hinterlegen, um Kredite zu vergeben, so stellt sich automatisch die dringliche Frage, wem man noch vertrauen kann. Die Antwort wäre dann, dass man denen vertraut, die sich einer Transparenzkontrolle im Voraus unterwerfen. Damit ist zwar die Schummelei nicht gänzlich abgeschafft, aber bei einem Scheitern der Kreditvergabestellen werden nur diejenigen mitgezogen, die dort ihr Geld hinterlegt haben und nicht alle anderen auch.

    • admin says:

      Du wirst lachen – das Kreditmonopol mit der Lizenz zur Geldschöpfung ist teilweise abgeschafft. Stichwort: Dispokredit. Ist nichts anderes, als eine Lizenz zur Geldschöpfung durch Kredit. (Und früher schon konntest du Kredit schaffen durch Wechsel, Schuldschein, Scheck usw.)
      Allerdings löst das die Schwierigkeit der explodierenden Geldmenge nicht, mit der wir uns herumzuschlagen haben. Jedenfalls so lange nicht, wie die Buchgeldschöpfung der Banken in derselben Währung erfolgt wie die Zentralgeldschöpfung. Und in einem geschlossenen Digitalgeldsystem läuft es zudem darauf hinaus, dass du, wenn du die Geldschöpfung in staatlicher Währung auf Privatbankkonten zulässt, dafür sorgst, dass die finanzielle Ausstattung der Banken ja noch ausufernder wird. Es sei denn, du schaffst eine Plattform jenseits der Privatbanken, auf denen das passiert. Etwa auf einem Zentralbankkonto. q.e.d